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Wasser – die unterschätzte Zutat

Eine Tasse Filterkaffee besteht zu über 98 Prozent aus Wasser. Trotzdem optimieren die meisten zuerst die Bohne und zuletzt das Wasser – dabei ist es gerade in der Schweiz häufig die grössere Stellschraube.

Richtwerte der SCA für Brühwasser
GESAMTMINERALISIERUNGZiel rund 150 mg/l
KARBONATHÄRTErund 40 mg/l als CaCO3
CHLORnicht nachweisbar

Warum Wasser überhaupt mitspielt

Wasser ist kein neutrales Transportmittel, sondern ein Lösungsmittel. Welche Stoffe es aus dem Kaffeemehl löst und wie es sie im Mund trägt, hängt von seiner Zusammensetzung ab. Zwei Dinge zählen besonders:

  • Mineralien, vor allem Magnesium und Calcium. Sie binden Aromastoffe und machen den Kaffee voller. Fehlen sie, schmeckt er dünn und flach.
  • Karbonathärte (Alkalinität). Sie puffert Säuren ab. Ist sie zu hoch, wird die Säure des Kaffees weggepuffert – er schmeckt stumpf, kreidig, langweilig.

Die Richtwerte

Die Specialty Coffee Association nennt als Zielgrössen rund 150 mg/l Gesamtmineralisierung (akzeptabel etwa 75 bis 250), eine Karbonathärte um 40 mg/l gerechnet als CaCO3, einen pH nahe 7, einen niedrigen Natriumgehalt und kein Chlor. Chlor ist der auffälligste Fehler: Er riecht man, bevor man ihn schmeckt.

Die Schweizer Lage

Schweizer Leitungswasser ist hervorragend – aber in weiten Teilen des Mittellands hart, also kalk- und karbonatreich. Genau das ist für Kaffee ungünstig: Es puffert die Säure weg und lässt helle, fruchtige Kaffees fade wirken. Wer sich wundert, warum ein hochgelobter äthiopischer Filterkaffee zu Hause nach wenig schmeckt, hat oft nicht den Kaffee, sondern das Wasser vor sich.

Hilfreich ist, die Wasserhärte der eigenen Gemeinde nachzuschlagen – sie ist öffentlich – und sich danach zu richten.

Was man tun kann

  • Filterkanne oder Festwasserfilter – senkt Härte und Chlor, einfachster Hebel.
  • Umkehrosmose plus Remineralisierung – im Café verbreitet, zu Hause meist übertrieben.
  • Mineralwasser mit passender Analyse – funktioniert, ist aber teuer und schwer. Als Test taugt es gut: Zwei Tassen desselben Kaffees, einmal mit Leitungswasser, einmal mit einem stillen Wasser mittlerer Mineralisierung – der Unterschied überrascht die meisten.

Und die Maschine

Hartes Wasser ist auch der Hauptgrund für Verkalkung. Weniger Kalk heisst weniger Entkalken, stabilere Temperaturen und längere Lebensdauer. Wasseraufbereitung ist also kein Perfektionismus, sondern Werterhalt.

Zu hartes Wasser macht Kaffee flach und kreidig, zu weiches dünn und sauer. Als Richtwert nennt die SCA rund 150 mg/l Gesamtmineralisierung und rund 40 mg/l Karbonathärte.
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