Die Schweiz hat keinen einzigen Kaffeestrauch. Trotzdem zählt sie seit über zehn Jahren zu den fünf grössten Kaffee-Exporteuren der Welt. Der Grund steht in zwei Zahlen aus der Zollstatistik.
Die Eidgenössische Zollverwaltung (heute BAZG) wies für 2019 aus: Import von 187'591 t Kaffee im Wert von CHF 745 Mio., davon rund 93 Prozent ungeröstet. Im selben Jahr Export von 83'819 t verarbeitetem und geröstetem Kaffee im Wert von CHF 2,5 Mrd., davon rund 98 Prozent geröstet.
Daraus ergeben sich Durchschnittspreise von rund 4 Franken pro Kilo im Import und rund 30 Franken pro Kilo im Export – und ein Handelsüberschuss von 1,8 Milliarden Franken. Das ist die ganze Geschichte der Schweizer Kaffeewirtschaft in zwei Zahlen: Rohstoff rein, Markenprodukt raus.
Die Differenz ist kein Zauber, sondern Wertschöpfung: rösten, mahlen, portionieren, verpacken, vermarkten, vertreiben. Ein erheblicher Teil des Exports geht als Portionenkaffee ins Ausland – Kapseln wiegen wenig und kosten pro Kilo ein Vielfaches von Bohnenkaffee. Nespresso fertigt an drei Schweizer Standorten: Avenches, Romont und Orbe.
Zum Vergleich: 2006 exportierte die Schweiz 12'747 t Kaffee im Wert von CHF 202 Mio. Innert dreizehn Jahren hat sich die Menge versechsfacht und der Wert mehr als verzwölffacht. Wenige Schweizer Exportgüter sind in dieser Zeit so gewachsen.
Fast nichts – und das ist der Punkt. Die Milliardenzahlen stammen aus der Industrie. Die Rösterei um die Ecke, die 50 kg pro Woche röstet, taucht in dieser Statistik kaum auf. Beide heissen «Schweizer Kaffee», haben aber wenig miteinander zu tun.
Alle Zahlen hier sind von 2019. Neuere Jahreswerte verschieben die Grössenordnungen, nicht aber das Muster.