In dem Land, aus dem Arabica stammt, ist Kaffee kein Getränk zum Mitnehmen. Die Zeremonie ist eine der wenigen Kaffeekulturen, bei denen der ganze Weg von der grünen Bohne bis zur Tasse Teil des Gastgebens ist.
Die Gastgeberin – traditionell ist es eine Frau – röstet die grünen Bohnen in einer flachen Pfanne über Kohle, direkt im Raum. Der Duft wird den Gästen bewusst entgegengetragen. Danach wird im Mörser gestossen und in der Jebena aufgekocht, einer bauchigen Tonkanne mit langem Hals.
Eingeschenkt wird aus Höhe in kleine henkellose Schalen, sini. Dazu brennt Weihrauch, und oft wird geröstetes Getreide oder Popcorn gereicht.
Aufgegossen wird dreimal, jeweils schwächer werdend. Die Runden haben Namen:
Alle drei zu bleiben, gilt als höflich. Das ist der Grund, warum eine Zeremonie ein bis zwei Stunden dauert – sie ist als Zeit gedacht, nicht als Getränk.
Die Zeremonie ist Alltag, nicht Vorführung: in Haushalten, bei Besuch, zu Festen. Sie zeigt auch etwas über Kaffee selbst – dass Rösten, Mahlen und Brühen zusammengehören und dass frisch geröstet eine andere Kategorie ist als frisch gemahlen.
Äthiopischer Kaffee steht in mehreren Häusern der Edition auf der Karte. Wenn du ihn trinkst, trinkst du etwas, dessen Ursprungsland bis heute eine eigene Form dafür hat, Gäste zu empfangen.