Zwei Organismen haben die Kaffeewelt stärker geprägt als jede Modeerscheinung: ein Rostpilz, der ganze Länder aus dem Kaffeegeschäft gedrängt hat, und ein winziger Käfer, der jede Kirsche einzeln anbohrt.
Ein Pilz, der auf der Blattunterseite orangegelbe Pusteln bildet. Befallene Blätter fallen ab, die Pflanze kann ihre Kirschen nicht mehr versorgen, der Ertrag bricht ein. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde der Rost 1869 auf Ceylon, dem heutigen Sri Lanka – mit der Folge, dass die Insel ihren Kaffeeanbau praktisch vollständig aufgab und zur Teeinsel wurde. Das ist kein Nebensatz der Geschichte: Es ist der Grund, warum man heute Ceylon-Tee trinkt und keinen Ceylon-Kaffee.
Mittelamerika erlebte 2012 und 2013 eine Rostepidemie, die ganze Regionen traf. El Salvador ist das deutlichste Beispiel: Die Produktion fiel von 1,87 Mio. Sack (2010/11) auf 506'000 Sack (2013/14) – über 70 Prozent in drei Jahren – und hat sich bis heute nicht erholt. In Peru waren rund 40 Prozent der Kulturen betroffen.
Die Antwort der Züchtung ist fast überall dieselbe: der Timor-Hybrid, eine natürliche Kreuzung von Arabica und Robusta, der die Resistenz einbringt. Aus ihm stammen Catimor, Castillo, «Colombia», Lempira, IHCAFE 90 und viele andere. In Kolumbien tragen 87 Prozent der Kaffeefläche rostresistente Sorten (2024, USDA; 2010 waren es 35 Prozent).
Resistenz ist jedoch kein Dauerzustand. Der Pilz bildet neue Rassen: Lempira erwies sich 2017 gegenüber einer neuen Rostrasse als anfällig. Züchtung gegen Rost ist ein Wettlauf, kein Sieg.
Hypothenemus hampei, spanisch «broca», ist ein rund zwei Millimeter grosser Käfer. Das Weibchen bohrt sich in die reifende Kirsche, legt dort Eier, die Larven fressen die Bohne aus. Betroffene Bohnen zeigen kleine Löcher und zählen beim Grading als Defekt. Der Bohrer gilt als der wirtschaftlich schädlichste Insektenschädling des Kaffees weltweit.
Mit steigenden Temperaturen dringt er in Höhenlagen vor, die früher zu kühl für ihn waren – einer der konkretesten Wege, auf dem der Klimawandel in der Tasse ankommt. Bekämpft wird er mit Fallen, konsequenter Ernte (keine überreifen Kirschen am Strauch lassen) und biologischen Mitteln.