Die italienische Kaffeebar ist kein Café im mitteleuropäischen Sinn. Sie ist ein Durchgangsort mit eigenen Regeln, und wer sie kennt, bewegt sich darin deutlich entspannter.
In vielen Bars kostet derselbe Espresso am Tresen weniger als am Tisch. Das ist kein Trick: Bedienung am Tisch ist eine Dienstleistung und wird als servizio verrechnet, oft zusätzlich zum Gedeck. Die Preise hängen in der Regel aus. Wer sich an den Tresen stellt, zahlt den Grundpreis.
In vielen Bars zahlt man zuerst an der Kasse, bekommt einen Bon und legt ihn dem Barista auf den Tresen. Wer sich direkt an den Tresen stellt und bestellt, erntet gelegentlich einen Blick – nicht aus Unfreundlichkeit, sondern weil die Reihenfolge den Betrieb trägt.
Italienische Blends enthalten traditionell einen Anteil Robusta – für Körper, für stabile Crema und für den kräftigen, nussig-bitteren Charakter. Und sie sind meist dunkler geröstet als das, was in nordeuropäischen Specialty-Cafés in der Mühle steckt. Das ist kein Qualitätsgefälle, sondern eine andere Vorstellung davon, wie Kaffee schmecken soll.
Die Bar ist ein öffentlicher Ort mit sehr kurzer Verweildauer. Man trinkt im Stehen, in zwei Minuten, oft im Gespräch mit jemandem, den man kennt. Der Kaffee ist dabei weniger Produkt als Anlass – und genau das macht die Kultur aus.