Fast vier von zehn Kaffeesäcken weltweit kommen aus Brasilien. Das prägt den Weltmarktpreis – und den Geschmack vieler Espressomischungen. Für die Spitzenlots aus Minas Gerais stimmt das vertraute Klischee von Nuss und Schokolade allerdings längst nicht mehr.
Für 2026/27 prognostiziert das USDA eine brasilianische Ernte von 71,9 Millionen Sack à 60 kg – nach eigener Einordnung «nearly 40 percent» der Weltproduktion (USDA FAS, Coffee: World Markets and Trade, Juli 2026). Dazu kommt der biennale Zyklus der Arabica-Pflanze: Auf ein starkes Jahr folgt ein schwaches. Weil Brasilien so gross ist, bewegt dieser Rhythmus den Weltpreis – auch für Kaffee, der nie in Brasilien gewachsen ist.
Übrigens: Vietnam ist heute die Nummer zwei, nicht Kolumbien. Viele Händlerprofile schreiben noch «Brasilien und Kolumbien» – das ist veraltet.
Brasilianischer Arabica wächst meist auf 750 bis 1'200 m, im Sul de Minas bis etwa 1'400 m. Angaben ab 400 m, die man gelegentlich liest, betreffen Conilon – die brasilianische Robusta-Variante – und nicht Arabica. Die Spanne ist damit deutlich tiefer als in Ostafrika oder Mittelamerika, was zum runderen, milderen Grundcharakter beiträgt.
Die dominierenden Verfahren sind Pulped Natural («cereja descascada») und Natural; gewaschene Kaffees sind ausdrücklich «less common». Pulped Natural entstand in Brasilien mit einem klaren Zweck: die Trocknung beschleunigen. Technisch ist das Verfahren fast identisch mit Honey – nur dass Honey in Costa Rica der Geschmacksgestaltung dient. Gleiche Mechanik, anderer Grund.
Neben Bourbon (auch als Yellow Bourbon), Caturra, Typica, Catimor und Maragogype stehen in Brasilien zwei eigene Züchtungen: Mundo Novo und Catuai. Das ist ein Unterschied zu Äthiopien oder Kenia, wo Landsorten beziehungsweise Selektionen aus Einzelbäumen prägen.
Die Quellen nennen April bis September beziehungsweise April bis Oktober. Maschinelle Ernte gibt es seit Ende der 1970er-Jahre und breit seit den frühen 2000ern; der Grund sind Arbeitskosten. Wo von Hand geerntet wird, geschieht das meist als Strip Picking – der ganze Zweig wird abgestreift –, nicht als selektives Rotpflücken. Einen belastbaren Prozentsatz für den Maschinenanteil gibt es nicht; wer eine Zahl nennt, schätzt.
Die verbreitete Einordnung: Schokolade, Nuss, Kaffeekirsche, cremiger Körper, wenig Säure. Das trifft auf viele Commodity-Lots zu – aber nicht durchgehend. Für die Mantiqueira de Minas wurden Feige, Honig, schwarze Johannisbeere und Marzipan beschrieben, für die Matas de Minas Ananas, Mandarine und Aprikose (Perfect Daily Grind, 2018). Wer brasilianischen Kaffee nur als Espressobasis kennt, kennt einen Teil.