«Wie viel vom Preis bekommt der Bauer?» ist die häufigste und die am schlechtesten beantwortete Frage im Kaffeegespräch. Die kursierenden Prozentzahlen sind meist erfunden – die ehrliche Antwort ist interessanter.
Man liest «1 Prozent», «6 Prozent», «10 Prozent». Keine dieser Zahlen lässt sich allgemein belegen, und das hat einen einfachen Grund: Der Anteil hängt davon ab, womit man vergleicht. Gegenüber einer Tasse im Café (mit Miete, Lohn und Milch) ist er winzig. Gegenüber einem Kilo Röstkaffee im Laden ist er deutlich grösser. Gegenüber einem direkt gekauften Mikrolot kann er ein Vielfaches davon betragen.
Dazu kommt: Der Rohkaffeepreis ist nicht der Erlös des Bauern. Davon gehen Erntelöhne, Transport zur Mühle, Aufbereitung, Exportabwicklung und oft eine Genossenschaftsmarge ab. Wer eine Zahl nennt, muss sagen, an welcher Stelle der Kette sie gemessen wurde.
Nachprüfbare Untergrenzen. Fairtrade International hat die Mindestpreise für Kaffee per 1. Dezember 2026 erhöht:
Der Mindestpreis greift nur, wenn der Marktpreis darunterfällt. Liegt die Börse höher – wie in den Jahren seit 2024 –, zahlt der Markt ohnehin mehr, und der Mindestpreis ist vor allem eine Versicherung gegen den nächsten Absturz.
Statt «wie viel Prozent?» lohnt sich: «Weisst du, was für diesen Kaffee bezahlt wurde?» Gute Röstereien können das beantworten – mit Erntejahr, Farm oder Genossenschaft und manchmal mit dem Einkaufspreis. Wer es nicht beantworten kann, hat über Zwischenhändler gekauft. Das ist nicht verwerflich, aber es ist eine andere Geschichte als die auf der Packung.