Zucker, Reis, Speiseöl, Getreide – und Kaffee. Die Schweiz schreibt vor, dass von bestimmten Lebensmitteln ein Vorrat im Land liegt. Dass Kaffee dazugehört, überrascht viele: Er ist weder Grundnahrungsmittel noch Kalorienlieferant.
Die wirtschaftliche Landesversorgung verpflichtet Importeure, von bestimmten Gütern Vorräte zu halten. Bei den Lebensmitteln sind das Zucker, Reis, Speiseöle und -fette, Getreide, Futtermittel – und Kaffee. Der Bund legt fest, welche Güter wie lange und in welcher Menge gelagert werden; organisiert wird die Lagerhaltung über die Réserve Suisse Genossenschaft.
Per 1. Januar 2026 lagen 20'180 t Rohkaffee im Pflichtlager – gerechnet als Bedarf für drei Monate. Nebenbei liefert das eine Kontrollrechnung: Drei Monate à 20'180 t ergeben hochgerechnet gut 80'000 t Jahresverbrauch. Das passt zum langjährigen Mittel des Inlandverbrauchs besser als zum tiefen Wert des Jahres 2025.
Nicht, weil er ernährt. Kaffee hat praktisch keinen Nährwert, der in einer Versorgungskrise zählen würde. Die Begründung ist eine andere: Er wird vollständig importiert, von fast allen konsumiert und täglich. Ein abrupter Ausfall wäre spürbar – psychologisch wie wirtschaftlich. 2018 schlug der Bund vor, Kaffee aus der Pflichtlagerhaltung zu streichen, genau mit dem Argument des fehlenden Nährwerts. Nach deutlicher Kritik blieb er drin.
Nichts Praktisches – aber es sagt etwas über den Stellenwert. Ein Land, das Kaffee gesetzlich auf Vorrat legt, behandelt ihn nicht als Luxus, sondern als Teil der Grundausstattung des Alltags. Genau dort, zwischen Alltag und Genuss, lebt auch die Café-Kultur.