Die Schweiz gilt als eines der Länder mit dem höchsten Kaffeekonsum der Welt. Die Zahl dahinter ist beeindruckend – und sie verdient einen zweiten Blick, denn Importmenge und Verbrauch sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Rund 9 kg Rohkaffee pro Kopf und Jahr – so beziffert der Branchenverband Procafé den Schweizer Verbrauch (Stand 2025). Umgerechnet sind das je nach Zubereitung etwa zwei bis drei Tassen pro Tag, über alle Altersgruppen gemittelt. Damit liegt die Schweiz international weit vorn, auch wenn die nordischen Länder je nach Erhebung noch höher liegen.
Procafé nennt für 2025 einen Inlandverbrauch von rund 60'000 t Rohkaffee und für die drei Jahre davor einen Schnitt von rund 84'000 t. Diese beiden Werte passen nicht zum selben Pro-Kopf-Wert: 60'000 t auf gut neun Millionen Einwohner ergeben eher 6,7 kg, die 84'000 t dagegen etwa 9 kg.
Das ist kein Fehler, sondern zeigt, wie solche Zahlen entstehen. Verbrauch wird nicht gemessen, sondern aus Importen, Exporten und Lagerveränderungen errechnet. Verschiebt eine grosse Rösterei ihre Lagerhaltung, schwankt der Jahreswert. Wer «9 kg» sagt, nennt eine solide Grössenordnung – keinen Messwert.
Alle diese Angaben beziehen sich auf Rohkaffee, also auf die ungeröstete Bohne. Beim Rösten verliert sie je nach Röstgrad rund 15 bis 20 Prozent Gewicht. Neun Kilo Rohkaffee ergeben also gut sieben Kilo Röstkaffee – und daraus, bei etwa sieben Gramm pro Tasse, grob gerechnet rund tausend Tassen im Jahr. Knapp drei pro Tag. Das klingt plausibel, und genau so sollte man es lesen: als Hochrechnung, nicht als Protokoll.
Sie sagt nichts darüber, wo getrunken wird. Der Anteil, der zu Hause aus Kapsel, Vollautomat oder Handfilter kommt, und der Anteil, der im Café über den Tresen geht, stecken beide in derselben Tonnage. Für ein Café ist das ein wichtiger Unterschied – für die Statistik nicht.