Kaffee ist eine heikle Pflanze: Sie will es warm, aber nicht heiss, feucht, aber nicht nass, und sie reagiert empfindlich auf Temperaturschwankungen. Genau das macht sie zu einer der verwundbarsten Kulturen überhaupt.
Die bisher umfassendste Projektion stammt von einem Team der ZHAW: Grüter, Trachsel, Laube und Jaisli (2022), veröffentlicht in PLOS ONE (17(1): e0261976). Untersucht wurden Kaffee, Cashew und Avocado unter drei Emissionsszenarien (RCP 2.6, 4.5 und 8.5), gerechnet mit 14 globalen Klimamodellen auf das Jahr 2050.
Haupttreiber ist nicht Trockenheit, sondern die steigende Jahresmitteltemperatur. Arabica braucht ein schmales Temperaturfenster; wird es zu warm, reift die Kirsche zu schnell und die Bohne bleibt flach im Geschmack.
Einzelne Randlagen – Süd-Brasilien, Uruguay, Argentinien, Teile Ostafrikas, Südafrika, China, Neuseeland. Dort steigen die Minimaltemperaturen so, dass Anbau möglich wird. Das ist allerdings kein Ausgleich: Infrastruktur, Wissen und Wertschöpfungsketten lassen sich nicht in zwanzig Jahren verschieben, und neue Flächen bedeuten oft neue Landnutzungskonflikte.
Drei Wege werden parallel verfolgt: höher hinauf ziehen, wo Topografie und Besitzverhältnisse es zulassen; robustere Sorten züchten, oft mit Robusta-Anteil oder aus den wenig genutzten Arten wie Coffea liberica; und Agroforst – Schattenbäume, die Temperaturspitzen dämpfen und den Boden halten. Keiner dieser Wege ist für sich ausreichend, und alle drei kosten Geld, das meist beim kleinsten Glied der Kette fehlt.