Die Kapsel hat den Kaffeemarkt in zwanzig Jahren stärker verändert als jede Rösttechnik. Sie hat den Kaffee bequemer gemacht, teurer pro Kilo und – das wird selten gesagt – messbar konstanter in der Tasse.
Eine Kapsel enthält typischerweise 5 bis 6 Gramm Kaffee. Wer pro Kapsel 50 Rappen bezahlt, zahlt rund 90 bis 100 Franken pro Kilo. Bohnenkaffee aus einer Schweizer Spezialitätenrösterei kostet je nach Kaffee 40 bis 80 Franken pro Kilo, Industrieware im Grossverteiler deutlich weniger. Die Kapsel ist damit, pro Kilo gerechnet, das teuerste Format – und pro Tasse gerechnet oft trotzdem günstiger als jeder Café-Besuch.
Dieser Preisunterschied ist auch der Grund, warum die Schweizer Kaffee-Exportstatistik so ungewöhnlich aussieht: Geröstete und portionierte Ware erzielt pro Kilo ein Vielfaches des Rohkaffees. 2019 standen rund CHF 4 pro Kilo im Import rund CHF 30 pro Kilo im Export gegenüber.
Drei Dinge, ehrlich benannt: Sie ist schnell, sie ist sauber, und sie ist reproduzierbar. Dosierung, Mahlgrad und Druck sind ab Werk festgelegt; das Ergebnis schwankt kaum. Wer morgens um sechs keine Lust auf Mahlgradjustierung hat, bekommt hier verlässlich dieselbe Tasse.
Der Kaffee ist gemahlen und liegt – je nach Verpackung geschützt, aber doch gemahlen. Frisch gemahlener Kaffee verliert seine flüchtigen Aromen innert Minuten; genau diese Spanne ist bei der Kapsel ab Werk vergangen. Dazu kommt: Mahlgrad und Menge sind nicht veränderbar. Man kann die Tasse nicht besser machen, nur anders wählen.
Es lohnt sich, die Diskussion nüchtern zu führen. Wer täglich zwei Kapseln trinkt und damit zufrieden ist, macht nichts falsch. Wer merkt, dass ihm im Café etwas auffällt, das zu Hause fehlt, hat den interessanteren Weg vor sich – und der beginnt nicht bei der Maschine, sondern bei der Mühle.