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Markt & Wirtschaft
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Wie der Kaffeepreis entsteht

Ein Kaffeepreis ist nie eine Zahl, sondern eine Kette. Am Anfang steht eine Börsennotierung in US-Cents pro Pfund, am Ende der Betrag auf der Tafel über dem Tresen. Dazwischen liegen mehr Stationen, als die meisten vermuten.

ICO-Indikatorpreise Juli 2026 · US-Cents/lb
COLOMBIAN MILDS383,39
OTHER MILDS358,65
BRAZILIAN NATURALS320,69
ROBUSTAS184,78

Zwei Börsen, zwei Einheiten

Der weltweite Referenzpreis für Arabica entsteht am Terminmarkt der ICE in New York (der «C»-Kontrakt), notiert in US-Cents pro Pfund. Robusta wird an der ICE in London gehandelt, notiert in US-Dollar pro Tonne. Wer Preise vergleicht, muss also zuerst umrechnen – und im Kopf behalten, dass es zwei getrennte Märkte sind.

Ein Momentaufnahme-Beispiel

Im Juli 2026 lag der zusammengesetzte Indikatorpreis der Internationalen Kaffeeorganisation (I-CIP) bei 287,26 US-Cents/lb, 15,4 Prozent über dem Vormonat. Die Gruppenindikatoren: Colombian Milds 383,39 · Other Milds 358,65 · Brazilian Naturals 320,69 · Robustas 184,78. Die Terminkurse standen bei 310,34 (New York) und 172,73 (London).

Diese Zahlen sind ein Datumsstempel, kein Dauerzustand. Kaffeepreise bewegen sich stark; jede Angabe ohne Monat und Jahr ist wertlos.

Das Differenzial – wo Qualität bezahlt wird

Der Börsenkurs gilt für eine standardisierte Ware. Ein konkretes Lot wird mit einem Differenzial gehandelt: Zu- oder Abschlag gegenüber der Börse, je nach Herkunft, Qualität, Zertifizierung und Verfügbarkeit. Bei Spezialitätenkaffee wird das Differenzial oft grösser als die Börsennotierung selbst – oder der Preis wird gleich frei verhandelt und löst sich vom Terminmarkt ganz.

Was zwischen Börse und Tasse liegt

  • Export- und Importkosten, Fracht, Versicherung, Zoll
  • Lagerung, Finanzierung, Qualitätskontrolle
  • Röstung samt Gewichtsverlust von rund 15 bis 20 Prozent
  • Verpackung, Vertrieb, Marge der Rösterei
  • Im Café: Miete, Löhne, Maschine, Milch, Mehrwertsteuer

Deshalb schlägt eine Verdoppelung des Börsenpreises nie eins zu eins auf die Tasse durch – aber sie ist auch nicht folgenlos. Wenn Röstereien ihre Preise anpassen, liegt der Grund meist ein bis zwei Ernten zurück.

Arabica wird in New York in US-Cents pro Pfund gehandelt, Robusta in London in Dollar pro Tonne. Der Spezialitätenpreis entsteht erst darüber – über Differenziale, die der Börsenkurs nicht abbildet.
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