Das Café ist eine der wenigen Einrichtungen, die in fast jeder Stadt der Welt dasselbe bedeuten: ein halböffentlicher Raum, in dem man sitzen darf, ohne etwas zu müssen. Diese Erfindung ist rund fünfhundert Jahre alt und stammt nicht aus Europa.
Der Weg des Kaffees beginnt in Äthiopien, aber der des Kaffeetrinkens im Jemen. Im 15. Jahrhundert nutzten Sufi-Orden den Aufguss, um bei nächtlichen Gebeten wach zu bleiben. Von dort kam er in den Alltag – und der Hafen Mokka wurde zum Namensgeber eines ganzen Geschmacksbegriffs.
Im frühen 16. Jahrhundert gibt es in Mekka und Kairo öffentliche Kaffeestuben – mit allem, was dazugehört: Gespräch, Spiel, Musik, und der prompten Reaktion der Obrigkeit, die sie mehrfach verbieten liess. In Istanbul öffnen ab 1554 Kaffeehäuser, die rasch zu Treffpunkten von Händlern, Gelehrten und Dichtern werden. Hier entsteht die Form, die wir bis heute kennen.
Die bekannteste Gründungsgeschichte gehört Wien: Georg Franz Kolschitzky soll nach der Türkenbelagerung von 1683 die zurückgelassenen Kaffeesäcke erhalten und das erste Wiener Kaffeehaus eröffnet haben. Die Geschichte ist nachweislich später entstanden und historisch nicht haltbar – die erste dokumentierte Konzession ging an Diodato. Erzählt wird sie trotzdem gern, und sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie zäh eine schöne Erzählung ist.
Sie waren Informationsbörsen. In London nannte man sie «penny universities»: Für einen Penny Eintritt bekam man Zeitungen, Debatte und Fachpublikum. Aus dem Kaffeehaus von Edward Lloyd (ab 1686), wo sich Reeder und Versicherer trafen, wurde der Versicherungsmarkt Lloyd's of London. Auch Börsen, Zeitungen und wissenschaftliche Gesellschaften haben ihre Anfänge in solchen Räumen.
Mehr, als es scheint. Ein Café ist bis heute der Ort, an dem man allein sein kann, ohne einsam zu sein, und an dem Fremde ins Gespräch kommen, ohne sich zu kennen. Dass das nichts kostet ausser dem Preis einer Tasse, ist das eigentlich Bemerkenswerte – und der Grund, warum es sich lohnt, in einer Stadt nicht immer ins selbe zu gehen.