Guatemala verkauft sich über seine Anbauregionen – acht an der Zahl, jede mit eigenem Tassenprofil. Der Satz «alles wächst auf Vulkanboden» stimmt dabei nur für einen Teil des Landes, und die Höhenklassen auf dem Sack bedeuten etwas anderes, als die meisten denken.
Üblich ist diese Liste: Acatenango Valley, Antigua, Traditional Atitlán, Rainforest Cobán, Fraijanes Plateau, Highland Huehuetenango, Nuevo Oriente und Volcanic San Marcos. Ehrlich dazugesagt: Eine offizielle Auflistung dieser acht Namen durch die Anacafé liess sich nicht auffinden – bestätigt sind «ocho perfiles de taza», also acht Tassenprofile. Cafe Imports führt Chimaltenango statt San Marcos, älteres Material kennt nur sieben Regionen ohne Acatenango. Die Zuschreibung ist also literaturbasiert, nicht amtlich.
Je Region liegt der Anbau grob zwischen 1'200 und 1'800 m; Huehuetenango reicht bis etwa 2'000 m und gilt als höchste Region. Die Quellen weichen je Region um rund 100 bis 170 m ab.
Wichtiger ist eine Richtigstellung: SHB, FHB und HB sind Exportklassen, keine Farmhöhen. «Strictly Hard Bean» sagt etwas über die Härte und damit die Dichte der Bohne – vergeben nach Höhenstufen des Klassifikationssystems, nicht nach der gemessenen Lage einer bestimmten Parzelle. Dieselbe Verwechslung passiert bei Peru und Honduras; sie ist der häufigste Fehler in Laientexten zu Mittelamerika.
Guatemala ist ein Washed-Land, traditionell «ferment-and-wash»; mechanische Entschleimung ist verbreitet. Geerntet wird «almost exclusively selective hand-picking» – es wird also gezielt nach reifen Kirschen gepflückt, nicht abgestreift.
Traditionell Bourbon, dazu Caturra, Catuaí, Typica, Maragogype – Guatemala ist eine wichtige Quelle dafür – und Pache. In kleinen Lots kommen Geisha, Pacamara und Maracaturra dazu. Arabica macht rund 96 Prozent der Produktion aus.
In tiefen Lagen beginnt die Ernte früher, in Huehuetenango reicht sie bis in den April. Barista Hustle nennt Beginn Oktober/November, Spitze Dezember bis Januar, Ende Februar/März.
Als Einordnung: ausgewogen, sanft bis rund säuerlich; Blüten, nussige Schokolade, Pflaume, Honig, süsse Zitrus, Zeder. Regional beschrieben: Antigua süss und weich, Huehuetenango mit knackiger Apfel- und Zitrussäure, vollem Körper und Toffee, Atitlán nussig-schokoladig mit zitroniger Säure.
Fünf der Regionen gelten als vulkanisch. Cobán ist Kalkstein und Ton, Huehuetenango gilt als nicht vulkanisch, Nuevo Oriente als metamorph beziehungsweise alt-vulkanisch. Wer «Vulkanboden» als Erklärung für guatemaltekischen Kaffee hört, hört Marketing – für einen Teil des Landes zutreffend, für einen anderen nicht.
Die Anacafé ist zugleich Forschungszentrum, Marketingagentur und Kreditgeberin. Was man dagegen nicht übernehmen sollte: Guatemala sei «viertgrösster Arabica-Produzent». Das USDA nennt das Land vierten Arabica-Exporteur 2022/23; in der Produktion liegt es 2026/27 hinter Brasilien, Kolumbien, Äthiopien, Honduras und Peru.