Cascara ist kein Kaffee und kein Tee, sondern ein Aufguss aus dem getrockneten Fruchtfleisch der Kaffeekirsche. Er schmeckt nach Hagebutte, Dörrpflaume und Rosinen – und ist in Europa erst seit kurzem ohne Weiteres verkäuflich.
Der Name kommt aus dem Spanischen und heisst schlicht «Schale». Gemeint ist das getrocknete, ungeröstete Fruchtfleisch der Kaffeekirsche – also genau der Teil, der bei gewaschener Aufbereitung als Nebenprodukt anfällt. Aufgegossen ergibt es ein rötlich-braunes Getränk mit Noten von Hagebutte, Dörrfrucht, Tamarinde und Rosine.
Wie ein Aufgussgetränk: rund 8 bis 12 g pro Liter, Wasser knapp unter dem Siedepunkt, vier bis acht Minuten ziehen lassen. Kalt angesetzt über Nacht wird es klarer und fruchtiger. Cascara verträgt Zitrone und Ingwer gut – und wird in Cafés gern als alkoholfreier Aperitif serviert.
Cascara enthält Koffein, aber deutlich weniger als Kaffee. Wie viel genau, hängt von Herkunft, Trocknung und Dosierung ab – pauschale Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen. Rechtlich relevant ist die Schwelle von 150 mg pro Liter: Darüber muss das Produkt den Hinweis «Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder sowie schwangere und stillende Frauen nicht empfohlen» samt Angabe in mg pro 100 ml tragen.
In der EU war Cascara lange nicht verkehrsfähig, weil es als neuartiges Lebensmittel galt. Mit der Durchführungsverordnung (EU) 2022/47 vom 13. Januar 2022 wurde es als traditionelles Lebensmittel aus einem Drittland zugelassen; in Verkehr gebracht werden darf es seit dem 4. Februar 2022. Zugelassen sind das getrocknete Fruchtfleisch von Coffea arabica und/oder Coffea canephora sowie der Aufguss daraus, auch konzentriert oder getrocknet. Die Verkehrsbezeichnungen sind vorgeschrieben.
Für die Schweiz gelten eigene Bewilligungsregeln; die EU-Zulassung gilt hier nicht automatisch. Wer Cascara verkaufen will, klärt das vorher ab, statt sich auf die EU-Verordnung zu berufen.
Fruchtfleisch fällt in gewaltigen Mengen an und hat am Ursprung kaum Wert. Wird daraus ein verkäufliches Produkt, entsteht ein zweites Einkommen aus derselben Ernte. Das funktioniert nur, wenn Trocknung und Hygiene stimmen – Cascara muss als Lebensmittel behandelt werden, nicht als Abfall.